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Das historische Umfeld

Wollersdorfer Feld mit großer Geschichte

Wohl niemand hätte erwartet, dass ein Acker im Westen von Mauern, seit Jahrtausenden unter dem Pflug und landwirtschaftlich genutzt, sich als ein bedeutender vorgeschichtlicher Siedlungsplatz erweisen würde. Ein paar Scherben und Feuersteine, schon vor 26 Jahren von Anne und Erwin Neumair aufgelesen, ließen außer einer bescheidenen jungsteinzeitlichen Bebauung kaum eine größere Siedlung erwarten. Die vom Landesamt für Denkmalpflege aufgrund der Lesefunde angeordnete archäologische Untersuchung brachte dann die Überraschung.

Seit Oktober 2004 gräbt sich regelrecht ein großes Team des Archäologischen Vereins - in Mauern durch die Grabungen in Alpersdorf längst nicht mehr unbekannt - durch das Gelände und entdeckt dabei erstaunliche Befunde und Funde.

Über 300 Meter miß die Ost-Westausdehnung der jungsteinzeitlichen Siedlungszone, in der Nord-Südachse sind es mindestens 150 Meter. Schon die Bandkeramiker haben vor über 7000 Jahren eine regelrechte Dorfanlage errichtet. Nord-Süd ausgerichtete Häuser von ca. 6m Breite und um die 20 m Länge füllten die Fläche aus. Beiderseits der Außenwände verliefen Material- und Abwassergräben. Die sind für die Archäologen wahre Fundgruben, weil in ihnen nach der Lehmentnahme für den Wandbewurf der Häuser dort Abfall deponiert wurde. Daneben gibt es noch richtige Vorratsgruben, in denen sich gelegentlich komplette Gefäße fanden. Auch Schlitzgruben, die als Gerbegruben gedeutet werden, oder Feuerstellen kamen immer wieder zum Vorschein. Erst nach Abschluss der Grabungen wird der volle Umfang der Dorfanlage mit seiner planmäßigen Anlage erkennbar und damit auch interpretierbar sein. Immerhin hat diese Anlage ca. 400 Jahre bestanden. In ihren Ausmaßen ist sie durchaus mit den bandkeramischen Anlagen von Murr und Ziegelberg vergleichbar, jedoch etwas jünger (5400 - 5000 v. Chr.). Der Lößboden auf dem leicht nach Süden geneigten Hang unweit des Mauerner Baches bot den ersten Siedlern beste Voraussetzungen für Ackerbau und Viehzucht.

Bemerkenswert die Art ihrer Hinterlassenschaft. Sie besteht zunächst aus Keramik, also Ess- und Trinkgeschirr, aber auch Vorratsgefäßen aus Ton. Es sind zumeist rundbauchige Gefäße mit der typischen Linien- und Spiralbandverzierung (Abb. ). Da keine Bezeichnung für das Volk bekannt ist, werden die damaligen Menschen nach der Verzierung ihrer Gefäße als Bandkeramischer angesprochen. Sie gehörten der frühesten jungsteinzeitlichen Kultur an, die als Geräte in erster Linie Werkzeuge aus Feuerstein (Messer, Bohrer, Schaber, Pfeilspitzen) oder Grünstein (Steinbeile) fertigten und benutzten (Abb. ). Mahlsteine aus Granit, Sandsteine als Schleifgeräte, Schminkpaletten, Glimmerschiefer als Beimengung für die Keramikherstellung waren weitere Werkstoffe. Auch Knochengeräte wie Pfrieme (Abb. ), Punzen oder Glättstifte fanden Verwendung. Aus Hirschgeweihen (Abb. )schufen sie Hacken zur Bodenbearbeitung. Von allen diesen Werkzeugen fanden sich Exemplare in den Gruben am Wollersdorfer Feld.

Auch für Kunst und religiöse Rituale hatten sie Sinn und fertigten entsprechende Objekte. Am eindrucksvollsten ist das verzierte Fragment einer göttlichen Statuette aus Ton, wovon nur das Oberteil erhalten ist (Abb. ). Eine weitere Besonderheit ist der einem menschlichen Fuß nachgebildete Fuß einer Schale (Abb. ). Auch Gefäße hatten offensichtlich kultische Bedeutung. Dazu gehört ein großes, über 30 cm hohes bauchiges Gefäß, das mit einer plastischen Leistenverzierung bedeckt ist. Über die Deutung gehen die Meinungen noch auseinander. Es kann sowohl eine stilisierte menschliche Gestalt darstellen wie eine Pflanze oder einen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen. Auch dazu gibt es bislang kein Vergleichsstück (Abb. ).

Die mittlere Jungsteinzeit (5000 - 4600 v. Chr.) schließt an die Bandkeramik an. Die Gefäße, aber auch die Bauweise haben noch deutliche Bezüge zur Vorgängerkultur. Wegen ihrer Stichverzierung werden sie als Stichbandkeramiker bezeichnet. Sie werden von der Gruppe Oberlauterbach mit typischer Ritz- und Stichverzierung abgelöst. Von beiden Kulturen haben wir auf dem Wollersdorfer Feld Siedlungsspuren, doch wesentlich weniger als aus der Bandkeramik.

Erst mit der Münchshöfener Kultur setzt wieder eine umfangreichere Besiedlungsphase ein. Sie ist auf dem ganzen Areal verbreitet und fällt durch ihre völlige Andersartigkeit auf. Wir kennen aus dieser Zeit keine Hausgrundrisse. Die Lage ihrer Häuser ist lediglich aus der Platzierung der Gruben mit Material dieser Kultur zu erschließen. Die Keramik dieser Zeit (ca. 4600 - 3800 v. Chr.) beeindruckt durch die hohe Qualität. Dies betrifft sowohl die Gefäßformen wie auch die Verzierung. Feinst gestochene Muster, manchmal richtiggehende Flechtmuster, feines Trink- und Essgeschirr betonen die hochstehende Lebensart der neuen Siedler. Sie gehören bereits in die Kupferzeit, in der das Schmelzen und der Handel mit Kupfer neue Lebensformen ermöglicht. Die bis jetzt vorliegenden Funde deuten jedoch auf eine jüngere Phase dieser Kultur um 4000 v. Chr. hin (Abb. ).

Gräber sind weder aus der Bandkeramik noch den folgenden Kulturen bekannt. Aus der Münchshöfener Kultur sind sie sehr selten und gelten als Sonderbestattungen, ohne dass man den Grund für die Sonderbehandlung angeben könnte. Auch am Wollersdorfer Feld ist eine solche Bestattung entdeckt worden. Allerdings waren nur die Schädelkalotte und ein paar Beinknochen erhalten bzw. beigesetzt worden.

Die folgenden Zeiten sind im neuen Baugebiet bislang nicht vertreten. Aus der Hallstattzeit, ca. 850 - 600 v. Chr), wurden drei Brandgräber entdeckt. Nur bei einem Grab war noch eine komplette Urne (Abb. ) erhalten. Im Innern befand sich der Leichenbrand, also die Reste des Verstorbenen nach seiner Verbrennung. Beigaben waren nicht in den 3 Gräbern.

Die Grabungen werden im Frühjahr fortgesetzt. Die Ausgräber des Archäologischen Vereins sind zuversichtlich, noch weitere interessante Funde zu entdecken. Wie es scheint, hat Mauern eine bedeutende Geschichte, die sich sehen lassen kann und bayernweit Beachtung findet. Alle diese Funde und Erkenntnisse sind dem Umstand zu danken, dass Bürgermeister Alfons Kipfelsberger mit seinem Gemeinderat, das Landesamt für Denkmalpflege und der Archäologische Verein bestens und unbürokratisch zusammengewirkt haben. Die künftigen Bauherren und Siedler auf dem Wollersdorfer Feld können stolz sein, auf einem derart bedeutenden vorgeschichtlichen Siedlungsplatz leben zu können. Sie werden sich dort wie ihre Vorgänger wohlfühlen.

von Erwin Neumair
Archäologischer Verein im Landkreis Freising e. V.
Ganzenmüllerstraße 25a
85354 Freising
www.archaeologischer-verein-lkr-freising.de


© 2005,2006 Gemeinde Mauern

Alle Angaben ohne Gewähr!